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Worauf muss ich achten, wenn ich meinem Kind neue Schuhe kaufe?

Darf ein Kind gebrauchte Schuhe tragen?

Neue Schuhe für Kinder kaufen? Das kommt sollte man häufiger, als man Allgemein denkt. Denn Kinderfüße wachsen rasch und in Schüben. Deshalb brauchen Kinder manchmal sogar innerhalb einer Saison neue Treter, Hausschuhe und Lederpuschen, z.B. für den Kindergarten. Aber worauf muss ich beim Kauf von Kinderschuhen achten? Wie messe ich die Kinderfüße richtig aus um die Schuhgröße zu ermittelt? Und warum greifen immer mehr Eltern zu Minimal- oder Barfußschuhen?

Alle diese Fragen möchte ich heute beantworten und unsere Tipps für den Kinder-Schuhkauf mit dir teilen, los geht’s!

Inhaltsverzeichnis

Was macht Kinderfüße besonders?
Füße richtig vermessen
Der Damen-Test
Breite und Spann
Wie oft messen?
Barfußschuhe
Der Schuhkarton-Trick
Wichtige Kriterien Kinder-Schuhkauf
Achtung auf Giftstoffe im Kinderschuh
Material & Sohle
Gebrauchte Kinderschuhe?

Was macht Kinderfüße so besonders?

Mit insgesamt 26 Knochen und 33 Gelenken ist der Fuß ein Wunderwerk der Natur. Doch gerade noch wachsende Kinderfüße sind, bis die Füße „ausgereift“ sind, besonders sensibel. In dieser sensiblen Phase (der Wachstums- und Reifungsprozess der Füße ist er zwischen dem 13 – 15 Lebensjahr abgeschlossen) ist es besonders wichtig, passende Schuhe zu tragen.

Wusstest du schon, dass sind die Nerven im Kinderfuß noch nicht vollständig entwickelt sind und Kinder oft nicht merken, wenn die Schuhe eigentlich schon zu klein sind?

Untersuchungen der Uni Wien haben ergeben, dass nur ⅓ der Kinder mit gesunden Füßen erwachsen werden. Dementsprechend tragen rund ⅔ der Kinder falsche Schuhe. Das belegt auch eine österreichische Studie aus dem Jahr 2009, die zeigt, dass rund 69% der 3 bis 6 Jährigen und 85% der 6 bis 10 Jährigen zu kleine Schuhe tragen.

Im Vergleich dazu die Ergebnisse einer finnischen Studie, in der von 390 Kindern zwischen 1 bis 10 Jahren 66% zu kurze Schuhe tragen würden. Kein Wunder also, dass rund 40% aller Erwachsenenan Fußbeschwerden, Deformationen und krankhafte Zehenfehlstellungen leiden.

Neben diesen bleibenden Schäden am Fuß drohen Muskel- und Gelenkschmerzen sowie Schäden an den Knien und der Hüfte. Das beweist, wie wichtig passende Schuhe für uns alle, auch Erwachsene, eigentlich sind. Falsche Schuhe können sogar zu Kopfschmerzen und Migräne führen.

Wie gut ist der Test mit dem Daumendruck?

Doch leider können Kinder uns nicht mitteilen, ob der Schuh zu klein ist: Ihre Füße sind weich und wegen der unausgereiften Nerven schmerzunempfindlich für Druck. So haben obige Untersuchungen gezeigt, dass Kinder vollkommen klaglos in Schuhen laufen, die bis zu 5 Größen zu klein sind.

Und auch der alte Daumentrick funktioniert leider nicht zuverlässig, denn die Kleinen ziehen auf diesen Druck reflexartig die Zehen ein. Das Einroller der Zehen bemerkt man als Elternteil manchmal kaum – und deshalb hat dieser Test mit dem Daumendruck leider gar keine Aussagekraft.

Was also können wir machen, um passende Schuhe zu finden? Wie messen wir den Fuß richtig aus?

Kinderfüße laufen barfuß über Sand

Füße für den Schuhkauf richtig vermessen!

Wer darauf achtet, dass Kinder passende Schuhe tragen, tut bereits einiges zur Gesunderhaltung der Füße. Übrigens: Unsere Kinder brauchen erst dann Schuhe, wenn sie wirklich laufen können. Und auch dann ist es schön für die Muskulatur in den Füßen, wenn die Kids ganz häufig (im Haus z.B.) barfuß oder mit Socken spazieren gehen dürfen. Dann werden nämlich alle Sehnen und Muskeln trainiert und der Gleichgewichtssinn und die Koordination unserer Kleinen angesprochen. Und eine solche kräftige Fußmuskulatur ist Voraussetzung für einen gesunden und widerstandsfähigen Kinderfuß! Kommen wir aber zum Vermessen des Fußes.

Um den passenden Schuh zu finden, müssen wir nicht nur die Fußlänge – sondern auch dessen Breite (Ballenweite) vermessen. Manchmal kann es auch sinnvoll sein, den Spann – also die Höhe des Fußes mit zu berücksichtigen. Nur so kann der richtige Schuh mit der idealen Passform ausgewählt werden.

Wir messen also zu allererst die Länge des Fußes. Das geht am einfachsten, wenn das Kind auf ein Blatt Papier steigt und wir die Umrisse der Füße nachzeichnen. Zu dieser Länge geben wir dann noch eine Zugabe von 12 bis 18 mm hinzu. Diese Zugabe teilt sich in Schub- und Zuwachsraum auf. Erwachsene sollten einen Abrollraum von bis zu 12mm haben, bei Kindern kannst du dazu 6mm Zuwachsraum ergänzen.

Neben dem Schub- und dem Zuwachsraum gibt es noch verschiedene Breiten und Höhen. Wenn ein Fuß schmaler ist als der Schuh, dann kann der Fuß vom Schuh hinten nicht im Spannbereich gehalten werden und er rutscht nach vorne in die Zugabe.

© Zehenspiel – Wie wichtig ist der Fußspann?

Die Breite des Fußes

Bei Minimal- oder Barfußschuhen, z.B. Filii Barefoot, Wildlinge oder Affenzahn sollte die Breite des Schuhs je Seite 2mm mehr als die Fußbreite betragen. Insgesamt also die breiteste Stelle des Fußes +4mm. So hat der Fuß beim Auftreten genügend Spielraum und kann richtig arbeiten.

Und bei Barfußschuhen muss der Fuß das Federn übernehmen, denn hier fehlt die abfedernde Sohle. Aber dem Thema Barfußschuh werde ich demnächst noch einen ganz eigenen Artikel widmen.

Wie wichtig ist der Fuß-Spann?

Wie oben bereits erwähnt ist es manchmal sinnvoll, auch den Spann zu beachten. Das ist die Höhe des Fußballens. Gerade wenn du sehr hohe Fuße hast merkst du als Erwachsener, dass der Schuh eng ist und drückt. Es kann also Sinn machen, dir einmal die Höhe des Fußes deines Kindes anzuschauen.

Wie du die Höhe erkennen kannst, erklärt dir Zehenspiel in diesem Blogartikel (Link). Außerdem gibt es tolle Vergleichsbilder in diesem Beitrag von Barfuß-Kinder (Link).

Grafik: So misst du Kinderfüße richtig aus

Wie oft soll ich Kinderfüße vermessen?

Oben sehen wir denselben Fuß gleich 3 Mal und zwar unter verschiedener Belastung. So könnt Ihr sehn, dass der Schuhinnenraum immer mindestens die Länge des dynamisch belasteten Fußes haben muss. Und da Kinderfüße schnell wachsen, kommt eine Wachstumsreserve hinzu. Apropos wachsen: Kinderfüße wachsen etwa 1 – 1,5 mm im Monat. Sie wachsen aber nicht konstant, sondern in Schüben. Dementsprechend sollte man den Fuß regelmäßig messen.

Eltern.de hat es schön zusammengefasst: „Kinderfüße wachsen sehr schnell und schubweise. Im Alter zwischen drei und sechs Jahren durchlaufen Kinderfüße um zwei bis drei Größen pro Jahr. Bei Schulkids sind es immer noch ein bis zwei Größen. Überprüfen Sie bei Kindern im Alter von 1 bis 3 Jahren alle sechs bis acht Wochen, bei Kindern von 3 bis 6 Jahren alle vier bis sechs Monate, ob die Füße gewachsen sind“. So beugt man Fehlstellungen der Zehen vor und unsere Kinder behalten ihre gesunden Füße.

Es gibt zum Glück mittlerweile Hersteller, die Ihre Schuhe in unterschiedlichen Breiten anbieten. So findet Ihr dort ganz bestimmt den passenden Schuh zum Fuß. Dazu zählen z.B. Hersteller wie Elefanten-Schuhe (u.a. bei Deichmann erhältlich), Ricosta, Däumling, Kappa, Richter, Superfit und andere.

Barfußschuhe?

Was bei vielen dieser Schuhe aber auffällt ist, dass sie vorne nicht viel Platz für die Zehen haben, z.B. Ricosta. Wir sind deshalb schon früh auf Minimalschuhe bzw. Barfußschuhe umgestiegen, denn ich habe es immer gehasst, so eingequetschte Zehen im Schuh zu haben. Das möchte ich meinen Kindern nicht zumuten.

Wenn du auch an Barfußschuhen mit breitem Zehenraum interessiert bist, kannst du dich einmal bei Leguano, Vivobarefoot, Filii Barefoot, Wildling Shoes, Affenzahn, Beda, Tikki, Zeazoo, Sole Runner, Feelgrounds u.a. umsehen.

Der Trick mit dem Schuhkarton

Ein ganz einfacher Trick zum Ausmessen der Kinderfüße ist der Schuhkarton-Trick. Dazu stellst du den Fuß deines Kindes in eine Ecke und Seite des Schuhkartons. Lass dein Kind einen Schritt in den Karton machen und „aufdrücken“ und zeichne die breiteste und längste Stelle ein. Schon kannst du den Fuß ausmessen und je 2mm an den Seiten (gerade für Barfußschuhe, damit der Fuß seine Arbeit des Federns übernehmen kann) und 12-17mm in der Länge addieren. Fertig!

Viele Lederpuschen im Regal, aber welche sind die richtigen für die Füße meines Kindes?
Unsere Tipps für den Kinder-Schuhkauf

Weitere wichtige Kriterien beim Kinder-Schuhkauf

Ihr habt also eine passende Schablone (Länge, Breite, Zugabe) erstellt und seid mit eurem Kind am nachmittag im Schuhladen, um Kinderschuhe anzuprobieren und darin Probe zu laufen. Probelaufen ist wichtig, da ihr nur so erkennen könnt, ob das Kind genügend Halt im Schuh hat und nicht über den Schuh stolpert. Eine Schablone ist übrigens in den meisten Fällen besser, als gekaufte Schuhmessgeräte – und günstiger noch dazu!

Nehmen wir zum Beispiel das Schuhmessgerät Plus12: Es hat sich gezeigt, dass es in der Praxis verschiedene Resultate zeigt. Außerdem ist es schwer, dass Gerät richtig zu positionieren. Falls möglich kann es eine tolle Alternative sein, die Innensohle des Schuhes heraus zu nehmen und dein Kind darauf zu stellen.

Fragt du dich nun, was sonst noch wichtige Kriterien beim Kinderschuhkauf sind?

Kinderschuhe kaufen: Achtung auf Giftstoffe im Kinderschuh

Leider werden bei Tests immer wieder Giftstoffe, z.B. in Schuhsohlen, gefunden. Auch in einigen Schuhen der oben genannten Marke Superfit. Doch es gibt auch Alternativen zu diesen Schuhen, z.B. GEA Waldviertler – die leider nicht in unterschiedlichen Breiten erhältlich*. Wichtig ist, dass Ihr euch vor dem Kauf informiert und dann erst einkauft!

* Eine liebe Leserin, Karin von der Trageberatung Tuchgeflüster in Sterzing, kennt sich besser mit den Waldviertler Schuhen aus und hat hat mit uns ganz tolle Infos geteilt: „Waldviertler bietet verschiedene Modelle an, die unterschiedlich breit sind: Die Geh Ninjos bis Gr.26 sind eher schmal, Geh Guti guts ab Gr. 24 sind breit und die Wingu und Twing ab Gr. 26 sind normale/mittlere Passform.“

Darf ein Kind gebrauchte Schuhe tragen?

Material und Sohle eines Kinderschuhs

Mir als Frau ist es wichtig, dass die Familie nicht in ihren Schuhen schwitzt. Ich mag deshalb meine Sneakers aus Leinen sehr gerne. Auch bei meinen Kindern achte ich auf das Material. Das Obermaterial sollte atmungsaktiv sein und vor Nässe schützen. Da kommt Leder in Frage (für Veganer natürlich nicht) oder sogenannte „Tex-Materialen“.

Während die Sohle möglichst flexibel sein sollte, muss der Schuh (Schaft) den kleinen Fuß halten und gut abstützen. Bei dem Lauftest vor dem Kinderschuhkauf könnt ihr, wie bereits erwähnt, auch feststellen ob der Schuh zu breit oder zu schmal ist. Dann hat der Fuß nicht genügend Halt. Und die Passform muss natürlich zum Fuß passen! Das ist ganz besonders wichtig!

Eine flexible Sohle (z.B. bei Bobux, Sole Runner, Filii) ermöglicht eine hohe Beweglichkeit und ein gutes Abrollen des Fußes, was für die Entwicklung von großer Wichtigkeit ist. Die Flexibilität der Sohle ist unser wichtigstes Kriterium beim Schuhkauf nach der passenden Größe! Außerdem sollte die Sohle natürlich rutschhemmend sein – gerade für Laufanfänger ist das sehr wichtig!

Darf ein Kind gebrauchte Schuhe tragen?

Hast du auch schon einmal gehört oder gelesen, dass du für dein Kind auf keinen Fall gebrauchte Schuhe kaufen solltest – und das das Geschwisterkind auf keinen Fall die Schuhe seiner älteren Schwester oder des älteren Bruders „auftragen“ darf? Gerade wenn man versucht, die Bergschuhe oder Winterstiefel seiner Kinder auf dem Flohmarkt zu verkaufen, wird man mit dieser Aussage immer wieder konfrontiert: Aber ist da etwas dran?

Seit Jahrzehnten wird Eltern ein schlechtes Gewissen eingeredet. Behauptungen, nach denen ein Kind die Fußform oder gar den Gang des Vorbesitzers annehmen könnte, gehören aus wissenschaftlicher Sicht ins Reich der Märchen.

Orthopäde Christian Klein, Spezialist in Sachen Kinderfüße

Gute Schuhe (wie z.B. unsere Bergschuhe) sind recht teuer und so ist die Freude in vielen Familien ist groß, wenn man von Freunden oder Bekannten gute Kinderschuhe geschenkt bekommt. Doch kann man als Familie mit kleinem Haushaltsbudget bedenkenlos zu gebrauchten Schuhen greifen? Jain! Nicht auf jeden Fall – aber in den meisten Fällen hat ein gebrauchter Schuh viele Vorteile:

  • Du kannst gute Schuhe günstiger erstehen
  • Gute gebrauchte Schuhe sind besser als neue, schlechte
  • Du schonst die Umwelt- und Ressourcen
  • Gebrauchte Schuhe sind generell schadstoffärmer

Wann sollte mein Kind keinen gebrauchten Schuh tragen?

Gebrauchte Kinderschuhe sind also eine tolle Alternative zum Neukauf und ganz oft sind die gebrauchten Schuhe auch noch wie neu, schließlich wachsen – gerade Kleinkinder – so rasant, dass die Kinderschuhe häufig kaum getragen wurden. Auch in Sachen Hygiene spricht nichts gegen gebrauchte Schuhe, denn kleine Kinder entwickeln nur selten „Schweißfüße“ oder haben Fußpilz. Doch es gibt einige Dinge, die gegen gebrauchte Schuhe sprechen, u.a.

  • die Schuhsohle ist einseitig abgenutzt und die Schuhe sind schief
  • das Fußbett ist stark ausgetreten und kann nicht ausgewechselt werden
  • das Innenfutter ist stark abgenutzt, verformt oder beschädigt

Die Sohle kannst du einfach selbst überprüfen, z.B. indem du den Schuh auf eine ebene Unterlage stellst. Hängt der Schuhe auf eine Seite, ist er nicht mehr zu empfehlen. Wenn du beim Schuhkauf also auf diese Punkte achtest, kannst du ohne Bedenken zu den gebrauchten Schuhen greifen oder die Lieblingsschuhe an das Geschwisterchen weiterreichen.

Viel Spaß bei eurem nächsten Kinder-Schuhkauf!

ursprünglich erschienen am 19.08.2016, aktualisiert am 13.02.2021

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Das Leben ist ein Abenteuer, aber durch regelmäßiges Yoga und Meditation komme ich mit Mann, Kindern und Hund meistens ganz gut klar. Und wenn ich mal einen schlechten Tag habe, helfen mir meine kreative Ader und das Schreiben. Was macht dich glücklich?

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